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Eat sleep ride

From Dry Alps to Deep Turns: A Camper van Quest for Italian Powder

Penguin Stories  / Eat sleep ride

Frenneke Blokker ist Freeriderin, Campervan-Abenteurerin und offenbar bereit, für guten Schnee jede vernünftige Schlafroutine über Bord zu werfen.

Dieser Winter kam uns wohl allen bekannt vor: erst wochenlang braune Wiesen statt Powder, Wetter-Apps im Dauereinsatz und täglich dieselbe Frage in der Freeride-Gruppe: „Kommt jetzt endlich der Dump oder nur wieder emotionaler Schaden?“ Und sobald irgendwo in Italien 20 Zentimeter mehr Schnee angekündigt wurden, sass halb Europa plötzlich im Van Richtung Süden.


Genau so lief’s auch bei uns.


Mit unserem Magic Pass – der Saisonkarte für rund 150 Skigebiete in der Schweiz – schien die Sache zunächst klar. Schweiz. Easy. Doch je näher wir kamen, desto offensichtlicher wurde: Mutter Natur hatte andere Pläne. Nicht die Schweiz oder Österreich sollten diesmal absahnen, sondern die Alpes-Maritimes auf der italienischen Seite. Nach gefühlt sechs Wochen ohne nennenswerten Schneefall, zeigte die Wettervorhersage endlich wieder Hoffnung. Also: packen, Snacks bunkern, Freeride-Equipment reinwerfen und los.


Wir ignorierten jede Vernunft, hängten hinter Bern noch entspannte fünf Stunden Fahrt dran und steuerten direkt Richtung Provinz Cuneo. Und je weiter wir nach Süden fuhren, desto besser wurde die Stimmung im Van. Erst einzelne verschneite Hänge, dann komplett weisse Berge – besser als jede Wetter-App. Unterwegs schrieb ich ein paar Freeride-Freunden aus den Niederlanden, die exakt dieselbe geniale Idee hatten. Wenig später trafen wir uns alle in Artesina – vermutlich gemeinsam mit jedem Powder-Nerd Europas.


Artesina ist klein, lokal und genau die Art von Gebiet, in der man morgens denkt: „Wo sind eigentlich alle?“ Offenbar hatten die Einheimischen beschlossen auszuschlafen, während wir bereits erste Lines zogen. Uns sollte’s recht sein.


Der Powder? Komplett absurd.


Das italienische Lebensgefühl? Fast noch besser. Espresso für einen Euro, Pasta zu Preisen, bei denen Schweizer Skigebiete vermutlich nervös lachen würden, und überall Menschen, die irgendwie entspannter wirkten als wir nach drei Tagen Powderglück. Kurz gesagt: Wir bereuten keine Sekunde, die Schweiz gegen Italien eingetauscht zu haben. Sorry, Heimat.


Nach ein paar Tagen voller Powderruns in Artesina und einer kleinen Skitour auf einen nahegelegenen Gipfel wurde es Zeit weiterzuziehen – schliesslich war schon der nächste Sturm angekündigt. Diesmal waren wir immerhin bereits in der richtigen Ecke Europas.


Auf Empfehlung von Freunden machten wir uns auf den Weg nach Prali, einem charmanten alten Skiort in den Cottischen Alpen nahe der französischen Grenze. Prali hat genau vier Lifte. Vier. Normalerweise wäre das eher Kategorie „gemütlicher Familienausflug“. Für Freerider bedeutet es aber vor allem: endlose Tree Runs, kaum Stress und jede Menge Backcountry.


Am ersten Tag checkten wir mögliche Lines aus, erkundeten das Gelände und – rein aus kulturellem Interesse natürlich – erneut die lokale Küche. Am Abend parkten wir unseren Camper direkt an der Talstation und stellten den Wecker auf „viel zu früh“. Am nächsten Morgen dann die Überraschung: Über Nacht waren mehr als 20 Zentimeter Neuschnee gefallen – im Tal. Oben entsprechend komplette Eskalation.


Während wir unsere Ausrüstung vorbereiteten, wurde allerdings schnell klar: Wir waren inzwischen nicht mehr allein mit unserem genialen Plan. Freerider aus ganz Europa hatten den Weg nach Prali gefunden, und plötzlich sah die Liftschlange eher nach Festival-Eingang aus.


Zum Glück verteilt sich alles schnell, sobald man am Berg ist. Und so fanden wir doch wieder diese magischen Waldabfahrten, bei denen man irgendwann aufhört mitzuzählen, wie viele gute Runs man schon hatte. Den ganzen Tag fuhren wir durch hüfttiefen Powder und konnten ehrlich gesagt kaum glauben, wie gut die Bedingungen waren.


Rückblickend war die Entscheidung, mit dem Campervan einfach stumpf Richtung Süden zu fahren, vermutlich eine unserer besseren Ideen dieses Winters. Italien hat geliefert – und zwar komplett.


Oder anders gesagt: Der nächste Powder-Trip Richtung Süden ist eigentlich schon beschlossen.





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