April 25, 2018

Auf dem Weg zum nördlichen Polarkreis

Aus Anne's Tagebuch einer Reise in den Norden von Norwegen - wo die Uhren etwas anders ticken

Mit einem groben Ziel im Kopf wo die Reise hingehen sollte, starteten wir Anfang April gen Norden.Angefixt von meinen Erzählungen und Bildern der vorangegangenen Reisen hatte Roman keine Wahl und „musste“ sich mir und meiner Wohnung auf 4 Rädern anschließen. Wir hatten weder große Pläne noch große Erwartungen.Einfach los. Einfach weg. Einfach leben. Skifahren.Wir packten den Bus mit allem, was wir für die nächsten Wochen gebrauchen könnten. Skiequipment, Zelt, Daunenschlafsack, ein paar Klamotten, Essen, ausreichend Wein, etwas Rum, genügend Gas zum Kochen, reichlich gute Laune und Entdeckungsdrang. Bis unters Dach vollgestopft und mit 100 prozentiger Sicherheit extrem überladen konnte unser Trip beginnen.

Voller Vorfreude und Neugier ging es durch ganz Deutschland, mit der Fähre nach Südschweden, entlang der Ostküste Richtung Finnland und schließlich nach Nordnorwegen. 3000km später sehen wir zum ersten Mal die mächtigen schneebedeckten Berge, die die tief eingeschnittenen Fjorde umgeben. Wir parkten den Bus direkt am Wasser, fernab der Strasse und genossen beim ersten Glas Rotwein einen kitschigen Bilderbuch-Sonnenuntergang. Hin-und her gerissen wo sich unsere Blicke verlieren sollten, schweiften unsere Augen vom Lagerfeuer über das Meer zum Sundowner und wieder zurück. Überwältigt von den ersten Eindrücken kamen wir gegen 3 Uhr nachts zur Ruhe.

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Einsame Gipfel, unendliche Weite und grandiose Aussichten, die seines Gleichen suchen. So in etwa lief jeder Tag ab. Gegen 3 Uhr ins Bett, um 10 aufstehen, frühstücken, 2.Kaffee während wir versuchten die Schuhe in der Sonne zu trocknen, Motor starten, losfahren, Gipfel scouten, schön finden, parken, losgehen, den höchsten Punkt erreichen, sprachlos sein, schöne und weniger schöne (aber trotzdem tolle) Turns in den Bruchharsch ziehen und zwischen 20 und 23 Uhr ausgelaugt am Bus ankommen. Es folgte ein ausgedehntes 5 Sterne Menü (manchmal auch nur 4,5 Sterne) mit allen Zutaten, die wir entweder im Bus oder im Meer fanden und dann begann der tägliche Clinch. Todmüde, erschöpft aber einfach zu überwältigt von den Eindrücken um einschlafen zu können. Es war schlichtweg zu schön draußen um ins Bett gehen zu können. Surreal vom Sonnenuntergang pink-gefärbte Gipfel wachten mächtig über den rosa gefärbten Fjorden, gefolgt vom knallrotem Sonnenaufgang, der es einfach unmöglich machte die Augen zu schließen. Fear of missing out… Am nächsten Tag das gleiche Spiel, rein in die steif-gefrorenen Skischuhe und ab geht’s. So verging Tag für Tag…viel zu schnell. Ausgestattet mit einem fetten Dauergrinsen im Gesicht genossen wir das einfache Leben. Kein Grund und Platz für Sorgen, Nöte, Stress und Negativität. Wir lebten den Moment und schafften es völlig abzuschalten. Wir haben viel gesehen, viele wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt, die kleinen Dinge des Lebens wieder wertgeschätzt und nicht zu vergessen wunderschöne Lines auf unberührten Hängen in den Schnee gezeichnet. Danke Norwegen, we´ll be back!